Nicht viel falsch gemacht

„Manchmal ist Musik eben auch Therapie. Das ist eine große Verantwortung, der ich mich aber stelle.“
„Ich brauche die Nähe, ich möchte die Reaktionen der Fans sehen, und ich möchte Kommunikation.“
NICOLE LIVE
29.08. Nonnweiler (Generalprobe)
30.08. Nonnweiler (Premiere)
18.09. Coswig, Die Börse
19.09. Berlin, Ernst-Reuter-Saal
20.09. Neubrandenburg, Konzertkirche
22.09. Bad Orb, Konzerthalle
23.09. Mannheim, Capitol
24.09. Neunkirchen, Neue Gebläsehalle
25.09. Bochum, Christuskirche
26.09. Stadtallendorf, Stadthalle
27.09. Halle, Steintor-Varieté
17.11. Oschatz, Thomas-Müntzer-Haus
18.11. Duderstadt, Ballhaus
20.11. Rheine, Stadthalle
21.11. Höxter, Stadthalle
22.11. Euskirchen, Stadttheater
Von Reinhard Prahl - Foto Joelle Seibert
In diesem Jahr feiert die Schlagerikone Nicole ihr 45-jähriges Bühnenjubiläum. Viereinhalb Jahrzehnte, die die Sängerin, Songwriterin und Vollblutmusikerin mit viel Liebe für ihr Publikum im Herzen zu feiern gedenkt. Gleich zwei neue Alben, eine Single und ihre im September startende Meine-Schätze-Tour stehen für die umtriebige Künstlerin im überquellenden Terminkalender. Grund genug also für ein ausführliches Gespräch darüber, was uns im Jubiläumsjahr 2026 erwartet, aber auch, was Nicoles neues Album Meine Schätze von einem ganz normalen Best-of-Sampler unterscheidet. Und das dürfte bei manchem Fan die Vorfreude wecken.
Ein Jubiläum, um stolz zu sein
Liebe Nicole, dieses Jahr feierst du dein 45-jähriges Bühnenjubiläum. Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren immer noch aktiv zu sein und auch noch live feiern zu dürfen?
Ich habe wahrscheinlich gar nicht so viel falsch gemacht. Wenn man nach 45 Jahren noch auf Tournee gehen kann, ist das schon was, worauf man stolz sein kann. Mit meinen Schätzen, wie ich ja mein neues Album Meine Schätze nenne, schaue ich auf ganz viele tolle Jahre und Jahrzehnte zurück, in denen ich das machen durfte, was ich am besten kann. Das erfreut mein Herz, und anscheinend auch die Herzen meines Publikums.
Abgesehen von deiner Tour kam am 26. Mai auch eine Live-CD von dir heraus. Warum hast du dich für ein Live-Album entschieden, und was sind für dich die größten Unterschiede zu einem im Studio aufgenommenen Longplayer?
Das Livealbum heißt Carpe Diem. Der große Unterschied ist, dass du nicht wie im Studio zehnmal wieder neu anfangen kannst, wenn es nicht läuft. Du musst durchziehen, das ist also sozusagen ein „One-Track“. Im Studio kannst du die Aufnahme abbrechen, wenn du eine Passage vielleicht doch anders singen möchtest, so etwas geht live nicht. Natürlich hat das Ganze auch eine andere Dynamik, weil du die Reaktion des Publikums direkt hörst. Auf diese Weise bekommen die Menschen eine Vorstellung davon, wie mein Auftritt live funktioniert und wie ich beim Publikum ankomme. Vielleicht denkt der eine oder andere Hörer ja darauf hin: „Das ist ja richtig gut. Und wie die Leute da abgehen, das muss ich jetzt auch mal sehen.“ Das ist der Vorteil eines Livealbums: Man muss einfach Farbe bekennen. Und das unterscheidet dann auch den einen Interpreten von dem anderen, der vielleicht erst gar keine Live-CD macht.
Du legst in diesem Jahr ein wahnsinniges Tempo vor. Erst die Live-CD, im September das Album mit dem Titel Meine Schätze, und dann ist erst im Mai die neue Single erschienen. Wie schaffst du das?
Richtig. Die Single Ich will mehr erschien am 22. Mai. als kleiner Vorbote auf die Tournee und das Album im September. Der Song zeigt schon, wo die Reise hingeht. Wir haben ganz bewusst handwerkliche Musik gemacht, ganz im Gegensatz zum KI-Trend. Das merkt man vor allem bei dem neuen Song. Wir haben in Mazedonien ein Streichorchester aufgenommen, einen Weltmeister im Akkordeon-Spielen und so weiter. Das sind echte Menschen, die Musik machen und auch singen. Das unterscheidet unsere Musik hoffentlich von der, die jeder am Computer mit ein paar Klicks machen kann und die derzeit massenhaft auf den Markt geworfen wird. Ich finde, den Unterschied hört man einfach heraus – auch Menschen, die mit Musik vielleicht nicht so viel am Hut haben.
Handgemachte Musik
Was unterscheidet Meine Schätze von anderen Best-of-Alben?
Ich schwimme da gegen den Strom, doch nur, wer gegen den Strom schwimmt, wird die Quelle finden. Dazu stehe ich. Das Album kostet entsprechend ein wenig mehr, das ist also keine ganz billige Produktion. Da musste meine Plattenfirma schon Geld in die Hand nehmen, und ich bin sehr dankbar dafür, dass die Verantwortlichen daran glauben, dass es nach vorne geht. Wir sind sehr gespannt darauf, zu erfahren, wie das Publikum reagiert, zumal wir meine Schätze der letzten vier Jahrzehnte nicht einfach nur auf das Album gepackt, sondern sie neu arrangiert und instrumentiert haben. Doch ein gutes Lied bleibt ein gutes Lied; mit dem kannst du machen, was du willst. Es ist super spannend zu hören, wie Titel wie Papillion, Der alte Mann und das Meer oder Allein in Griechenland klingen, wenn man sie neu einkleidet. Und darauf können die Fans so was von gespannt sein. Insofern ist Meine Schätze kein Best-of-Album. Wir haben keinen Sampler gemacht, sondern alles neu aufgenommen.
Erzählst du ein wenig darüber, wie es zur Single Ich will mehr kam? Worum geht es, und warum hast du diesen Titel gewählt?
Der Song ist ein ganz klares Ja zum Leben. Ich will mehr von den Lichtern, den Gesichtern, von dem ganzen Glück, das ich erfahren durfte. Das Lied soll Mut machen, nach vorne zu schauen, auch wenn das Leben nicht immer einfach ist. Du musst manchmal einfach Berge überwinden, sonst geht der Weg nicht weiter. Am Ende ist Ich will mehr aber auch ein ganz klares Bekenntnis, eine Hymne an meine Fans.
Wenn du dein Leben als Musikerin, als Sängerin und Songwriterin so stark bejahst, so sehr lebst und offensichtlich liebst, wie wichtig ist dabei für dich der direkte Kontakt zu den Fans?
Ganz wichtig. Die Fans zeigen mir direkt, ob sie das berührt, was ich mir über Monate hinweg ausgedacht habe. Ich versuche immer, meine Texte aus dem Leben zu greifen, und schaue den Leuten dabei aufs Maul. Das ist nicht immer angenehm und vielleicht nicht immer schön. Aber es ist die Wahrheit. Wenn ich Texte über Gewalt in der Ehe schreibe, über Drogenmissbrauch oder Intoleranz Homosexuellen gegenüber, und sich Menschen nach dem Konzert bei mir für meine Lieder bedanken und eine Träne im Auge haben, dann weiß ich genau, dass ich diesen Menschen aus dem Herzen gesprochen habe. Manchmal ist Musik eben auch Therapie. Das ist eine große Verantwortung, der ich mich aber stelle.
„Ich mache keine Schlager“
Ist Schlager also mehr als „Heile-Welt-Musik“ für dich?
Wenn Schlager Heile-Welt-Musik ist, dann mache ich keine Schlager. Definieren wir doch mal das Wort „Schlager“. Heinz-Rudolf Kunze steht in manchen Läden im Regal unter „Schlager“, bei anderen wiederum unter „Pop“. Die Grenzen verschwimmen da. Deshalb ist das Genre für mich zweitrangig. Ich habe mein eigenes Fach, in das ich gehöre. Ich bin eine Chanson-orientierte Pop-Schlagersängerin. Das trifft alles zu.
Wenn man sich deine Tourdaten anschaut, fällt eine unglaubliche Location-Vielfalt auf. Neben Stadthallen und Konzertsälen sticht besonders auch die Christuskirche in Bochum heraus. Was reizt dich besonders daran, eine Kirche für ein Livekonzert auszuwählen?
Kirchen haben einen eigenen Klang. Du könntest theoretisch vollkommen ohne Technik fahren. Du könntest deinen Mund öffnen, singen, und es würde sich gut anhören. Stadthallen klingen trocken, da brauchst du viel Technik. Deshalb bietet es sich an, wenn du unplugged auftrittst, eine Kirchentournee zu machen, weil das Publikum nirgendwo sonst näher am Künstler ist als dort. Die Christuskirche ist eine Konzertkirche, dort finden oft Live-Events statt. Ich mag das Haus, weil ich mich da behütet fühle. Außerdem liebe ich die Anordnung der Sitze. In einer Kirche hat man von überall einen guten Blick auf die Bühne, nicht wie in manchen langen Hallen, wo die Gäste in der letzten Reihe mich nur noch halb so groß sehen und meine Mimik und Gestik nicht richtig mitbekommen.
Das klingt, als hättest du für diese Tour bewusst kleinere Locations gewählt, richtig?
Richtig. Ich möchte, dass die Leute mich sehen, aber auch umgekehrt. Ich mag große Hallen nicht, bei 1.000 Gästen ist bei mir Schluss. Wenn ich wüsste, dass 3.000 Fans kämen, würde ich lieber drei kleinere Konzerte geben. Ich brauche die Nähe, ich möchte die Reaktionen der Fans sehen, und ich möchte Kommunikation. Bei mir darf auch jemand etwas dazwischenrufen, auf die Bühne kommen und mir eine Blume überreichen oder sich ein Lied wünschen. Das ist für mich kein Abspielen des Programms, sondern eine Kommunikation zwischen dem Publikum und mir. Davon lebt für mich ein Konzert.
nicole-4-u.de